VOSBERG, Heinrich

geb. 28.10.1833 Leer

gest. 20.7.1891 Gmunden



luth.

Kunstmaler


Der Maler wurde als viertes Kind des Glaser- und Malermeisters Jan Habben Vosberg und seiner Ehefrau Friederike Margarethe Geesche, geb. Hillendahl, zu Leer geboren. Der Vater (1794-1881) stammte aus Groothusen, die Mutter aus Oldenburg. Heinrich hatte sieben Geschwister, von denen sein Bruder Aggenius Hinderikus Leonhard die väterliche Werkstatt, Norderstraße 17, übernahm und selbst als Kunstmaler tätig war. Heinrich Vosberg besuchte die reformierte Volksschule und Gewerbeschule in Leer und erlernte im Betrieb des Vaters das Malerhandwerk. Nach der Gesellenprüfung studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie Malerei (1849/50-1854). Die Ostfriesischen Landstände hatten ihm eine Beihilfe zur Weiterbildung gezahlt; außerdem erhielt er ab 1851 ein Stipendium durch König Georg V. von Hannover, dessen Sohn Ernst-August die Malerei Vosbergs schätzte. Vosberg war Schüler des Landschaftsmalers Johann Wilhelm Schirmer (1807-1863), und als dieser an die neugegründete Karlsruher Akademie berufen wurde, folgte ihm Vosberg dorthin als Assistent. Nach Schirmers Tod zog er 1866 für neun Jahre nach Hannover und arbeitete für das Welfenhaus. Als der Hof nach Wien und schließlich nach Gmunden übersiedelte, verließ Vosberg Hannover und ging nach München. Er trat 1875 der "Münchener Künstlergenossenschaft" bei, deren Ausstellungen er regelmäßig beschickte. Um 1880 wurde der Hof in Gmunden erneut auf den Künstler aufmerksam, und Ernst-August, Herzog von Cumberland, rief ihn als Hofmaler und Lehrer der Herzogin auf sein Schloß (1886). Vosberg arbeitete zeitweilig in Gmunden, behielt aber seine Wohnung mit seiner Frau Emilie, geb. Beyer, in München bei. Seine Landschaftsmalerei war sehr geschätzt, so erhielt er 1891 ein Ehrendiplom auf der "Deutschen Ausstellung" in London. Vosberg starb auf Schloß Cumberland in Gmunden und wurde auf dem ev. Friedhof der Stadt beigesetzt.Vosbergs Malerei baute auf der Schule Johann Wilhelm Schirmers auf, der ihn zu seinen besten Schülern zählte. Seine Bedeutung liegt in einer lyrischen, auf niederländischen Einfluß zurückgehenden Variante der heroischen Landschaft seines Lehrers, dessen Themenwahl und Kompositionsweise er übernahm. Vosberg liebte die dunklen, gewittrigen Himmel über einer weiten Ebene, das geheimnisvolle Licht einer Waldlichtung mit großen Baumriesen oder einer Wassermühle am Bach, die poetische Stimmung der Bergwelt im Tal im bäuerlichen Genre oder auf der Bergkuppe unter bewegtem Wolkenhimmel. Wenige Motive erinnern an seine Herkunft aus Ostfriesland. Studien zu ländlichen Szenen mit Bauern, Hirten, Mädchenfiguren, Kindern oder Reitern führten zu einer biedermeierlichen Figurenstaffage. Der für die Malerei der zweiten Hälfte des Jahrhunderts charakteristische Realismus wurde in der Detaildarstellung der dramatisierenden Lichtregie und dem im ganzen verhalten tonigen Klang der Gemälde untergeordnet. So blieb Vosbergs Malerei weniger revolutionär als die seines Freundes Hans Thoma und entsprach damit dem Geschmack eines konservativen, der deutschen Romantik verbundenen Publikums.Das Werk Vosbergs, das nach dem Tode seiner Frau (1916) in der Familie weitergegeben wurde, umfaßt neben kleineren (tm)lskizzen mit Figuren-, Geräte- oder Baumstudien hauptsächlich etwa 30 Landschaften, die sich im Privatbesitz der Familie befinden (Leer, Aurich, Jeddeloh, Bückeburg). Noch nicht erforscht sind die ehemals in Gmunden oder in bayerischen und badischen Schlössern verbliebenen Werke, auch ist der Porträtist Vosberg noch unbekannt. In der Kunsthalle Karlsruhe befinden sich zwei Landschaften, in der Niedersächsischen Landesgalerie in Hannover eine weitere. Das Porträt Edzards I. im Rathaus in Emden ging mit einem anderen Werk im Kriege unter. Umfangreich geben die Quellen des schriftlichen Nachlasses mit Briefen und einem postumen Gemäldeinventar Auskunft über die hohe Wertschätzung, die der Künstler unter Fachkollegen und im Welfenhaus erfuhr. Eine Ausstellung im Heimatmuseum in Leer zeigte 1986 einen Teil der in Ostfriesland im Privatbesitz befindlichen Werke.QuellenKorrespondenz mit Herzog Ernst-August im Niedersächsischen Staatsarchiv Wolfenbüttel; Korrespondenz und Dokumente im Besitz der Familie in Bückeburg.LiteraturDBA N.F.; ThB 34, S. 560; Vosberg'sche Blätter, Verbandsblatt der Familien Vosberg-Vosberg (Hrsg. Herbert Vosberg), Waren/Müritz 1930, H. 1, S. 1-2; Ernst P e t r i c h, Der Maler Heinrich Vosberg und seine Beziehungen zum Hannoverschen Herrscherhause, in: Blätter für Heimatschutz und Heimatgeschichte 3, 1937, Nr. 3, S. 33-45; Rudi T h e i l m a n n, Johann Wilhelm Schirmers Karlsruher Schule, Heidelberg 1971, S. 207-210, S. 357-360 (Bibliographie); Heinrich B ö c k m a n n, Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen der bekannten Leeraner Künstler, Leer 1986 (maschr. Katalog); Helmut S c h u b e r t, Kunst für Hütten und Paläste, in: Unser Ostfriesland, Beil. zu Ostfriesen-Zeitung, 1986, Nr. 17 (Portr.); Heiko J ö r n, Leeraner Maler - Heinrich Vosberg, in: Ostfriesland-Journal, 1987, H. 5, S. 4-9; d e r s., Zum 100. Todestag von Heinrich Vosberg , in: Ostfriesen-Zeitung Nr. 167 vom 20. 7. 1991, S. 43 (Portr.); Ostfriesischer Kunstkalender, Aurich 1971, 1988, 1992.Porträt2 Photographien aus der Zeit in Hannover und München im Besitz der Familien in Bückeburg und Aurich (Kopien im Heimatmuseum in Leer).


Heiko Jörn


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